Berthold und Hilde Dublon

Kategorie: Berthold Dublon

4 Dublon Berthold Internierungslager in Frankreich 900

 

 

Wegen einer fehlenden Arbeitserlaubnis blieb er auch auf Unterstützung seiner Verwandten angewiesen, als er ab Anfang 1934 in Straßburg lebte. Mit Kriegsbeginn wurde er als „feindlicher Ausländer“ verhaftet, ein Schicksal, das insgesamt 20.000 Menschen getroffen hatte. Dublon wurde nach Saint-Junien im Departement Haute Vienne (Westfrankreich) deportiert, wo er im Lager Braconne bis Mitte Dezember 1939 inhaftiert blieb. Die wiedererlangte Freiheit währte nicht lange: Der inzwischen gesundheitlich angeschlagene Dublon fand sich bald erneut wieder hinter dem Stacheldraht von Braconne. Von dort wurde er Anfang August 1940 in das Lager St. Germain les Belles verlegt. Aber es sollte noch schlimmer kommen: ab dem 5. August 1940 ist Dublon Gefangener im berüchtigten Lager Gurs am Fuße der Pyrenäen. Dort bestimmten Hunger und völlig unzureichende hygienische Verhältnisse das Leben der Inhaftierten. Nach knapp einem Jahr durfte er das Lager Gurs Richtung St. Junien verlassen, allerdings mit der Auflage, sich täglich bei der Polizei zu melden. Unterstützt wurde er von einem jüdischen Hilfskomitee. Die Vichy-Regierung im unbesetzten Teil Frankreichs hatte im August 1940 ein „Judenstatut“ erlassen, so dass die Lage der Juden immer schwieriger wurde. Bereits im Juni 1942 begannen regelrechte „Judenjagden“, nachdem die SS ihren Einfluss gegenüber der Wehrmachtsführung deutlich ausweiten konnte. Fluchten über die Pyrenäen nach Spanien, die bis zur Befreiung Frankreichs fast 100.000 Menschen gelungen waren, scheiterten immer häufiger aufgrund der strengeren Grenzbewachung. Die Widerstandshandlungen der Résistance veranlassten die deutschen Besatzer immer häufiger zu Geiselerschießungen. Am 27. März 1942 verließ der erste Deportationszug das Sammellager Drancy nördlich von Paris Richtung Auschwitz.

Auf deutschen Befehl hin wurden im Februar 1943 in St. Junien alle jüdischen ausländischen Männer verhaftet. Unter ihnen auch Gottfried Marx, Berthold Dublons Schwiegervater (geb. 1881 in Zeltingen-Rachtig, zuletzt wohnhaft in Sehlem). Über Drancy kam Marx mit seinen Schicksalsgenossen in das KZ Majdanek bei Lublin, wo er am 4. März 1943 vergast wurde. Berthold Dublon selbst schrieb zu seinem glücklichen Überleben: „Da ich nach der Verhaftung eine schwere Herzattacke bekam, wurde ich nicht in den Transport gesteckt und diesem Umstande verdanke ich mein Leben. Auf Veranlassung der Gendarmen wurde ich in ein Hospital überführt, wo ich etwa fünf Wochen geblieben bin.“

Berthold Dublon Saint Junien 900


Franz-Josef Schmit

Karte mit Internierungslagern in Südfrankreich,

Zuteilungskarte der Gemeinde Saint - Junien für Flüchtlinge

 

Die Lebensgeschichte von Berthold Dublon hat Franz-Josef-Schmit 2016 in seinem Buch "Spätes Einnern", ein Lesebuch zu den Verfolgten und Opfern der NS-Diktatur aus Wittlich und Umgebung, veröffentlicht (Seite 43ff.). Herausgeber: Kulturamt der Stadt Wittlich, ISBN 978-3945454-06-0 

Die Einleitungstexte für die einzelnen Kapitel sind einer eidesstattlichen Erklärung von Berthold Dublon, vom 30.05.1956, entnommen.

Fotos: Franz-Josef Schmit