Moses, Samuel und andere – die ersten Juden in Wittlich

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Die Juden in Wittlich


In den Urkunden werden weitere in Wittlich ansässige Juden genannt, allerdings nicht in der Häufigkeit wie die, die nach Trier übersiedelten. Für das Jahr 1336 ist das Abraham von Blankenberg und sein Schwiegersohn Heyskin.24 „Zu den bereits genannten Personen ist noch Josue, der Schwiegersohn Erwins des Kleinen hinzuzuzählen, der im Jahre 1347 als Gläubiger des Ritters Richard von Daun nachweisbar ist.“25 Um Geschäfte mit den Herren von Daun geht es auch in einer späteren Urkunde aus dem Jahr 1347, in der ein Josue, Schwiegersohn Erwins von Wittlich, genannt wird.26 

Es ist schwer zu sagen, wieviele Juden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Wittlich lebten. „Angesichts des rasanten Wachstums der Stadt Wittlich in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts, das zunächst auch von der Zisterze Himmerod gefördert wurde, müßte man eigentlich mit einer großen jüdischen Gemeinde in der Stadt an der Lieser im 14. Jahrhundert rechnen. Stellt man die aus der urkundlichen Überlieferung ermittelbaren Nachrichten zusammen, so kommt man in der ersten Hälfte des Jahrhunderts auf insgesamt 14 Juden und auf mindestens 4 größere Familienverbände mit Geschwistern und Schwägern, die ihrerseits Vorstände eigener Familien gewesen sein könnten. Auch das spricht für eine größere Kommunität.“27 Allerdings gibt es bis heute keine Nachweise über gemeindliche Einrichtungen in der Stadt. Für Friedhöfe ist das zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich. Solche gab es nur in der wirklich großen Gemeinden: „Das wichtigste Indiz für hervorragende Judengemeinden ist die Existenz von eigenen Friedhöfen, auf denen oft die Toten aus weiter entfernten Ansiedlungen bestattet wurden. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts sind im Erzstift Trier solche coemeteria sicher nur in Trier und Koblenz und in der Balduin verpfändeten Stadt Kaiserslautern bezeugt. Wahrscheinlich bestand der erst im Jahre 1409 erwähnte Judenfriedhof in Münstermaifeld schon vor dem Jahre 1349.“28 Mit großer Wahrscheinlichkeit werden die Wittlicher Juden ihre Toten also in Trier beerdigt haben. Allerdings kann man erwarten, dass sie für das normale Gemeindeleben durchaus einen Betsaal, eine Synagoge oder eine Mikwe besaßen, was aber nicht nachweisbar ist.


24 Kortenkamp (wie Anm. 3), S. 193.

25 Burgard (wie Anm. 4), S. 321.

26 Kortenkamp (wie Anm. 3), S. 235.

27 Burgard (wie Anm. 4), S. 322.

28 Haverkamp (wie Anm. 2), S. 441.


Dr Marianne Bühler, April 2020

 

Die Karte

zeigt Ansiedlungen von Juden im Kurfürstentum Trier von Erzbischof Balduin (1307 -1354)


Qu.:Angelika Schleindl, Jüdisches Lebenn in Wittlich, Ausstellungskatalog, Stadtverwaltung Wittlich