Emil Frank, ein Wittlicher Bürger

Der Kaufmann


Emil Frank absolvierte nach dem Besuch der höheren Knabenschule in Wittlich und dem Gymnasium in Trier eine Lehre als Textilkaufmann in Mühlheim an der Ruhr. Nach der erfolgreichen Ausbildung stieg er 1902 in das schon von seinem Großvater Israel Frank 1870 in Wittlich gegründete und seinem Vater geführte Unternehmen, in der Triererstr. 1 ein. 

Textihaus J Frank 1910 500J Frank Triererstr1 1930 HarryFrank 500

Das Kaufhaus hatte eine zentrale Lage, in der Nähe des Marktes. 1912 übernahm Emil von seinem Vater die Geschäftsführung. Er investierte und modernisierte in den 20' iger Jahren das Gebäude. Die Front wurde neu gestaltet und die Schaufenster mit einer größerer Glasfront versehen. Für das Geschäft behielt er den Namen seines Vaters "Isaak Frank" bei.

Die Franks schalteten immer wieder Anzeigen in den örtlichen Presseorganen.

Anzeige I Frank WKI 10 05 1868 350Anzeige I. Frank Wittlicher WI Kreis u.Intelligenzblatt 5.4.1874 Nr.28 475Anzeige Frank Geschäftsübernahme 7.7.1907 Kreisblatt Nr. 77 180

In Wittlich und der Region war das Geschäft sehr beliebt.

"Ja, ich kannte sie mehr, möchte ich sagen, durch meine Eltern, die ja immer dort gekauft haben. Von denen ich immer wieder gehört habe, daß sie gut bedient wurden bei ihnen, daß der Herr Frank, der Emil Frank, der allen alten Wittlichern noch ein Begriff ist, ein sehr netter, reeller Geschäftsmann war...
Ja, das woran ich mich erinnern kann, ist, daß er sehr viel und oft vor seinem Laden. gestanden hat, eine diese Zigarre in der Hand. Und er war ein sehr freundlicher Mann. Und er hat uns wunderbar bedient. Wir sind gerne hingegangen. Und es war auch in Wittlich vor 33 doch sicher niemand, der niemals bei ihm gekauft hätte. Es hieß immer, wo geht ihr hin? Ei, wir gehen zu Frank's Emil. Es war ein gutes Geschäft."
(Maria Musselek im Interview mit Ursula Junk, WDR, 1987)

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Emil Frank setzt auf eine gute Qualität seiner Ware. Auch in der Rezessionsphase Anfang der 30' iger Jahre konnte er damit überzeugen. Die Geschäftssituation änderte sich für ihn schlagartig mit dem Boykott der jüdischen Geschäfte am 01.April 1933. 

Matthias Mehs schreibt dazu in seinem Tagebuch:

"Zwei SA-Männer blieben dabei stehen, um die Leute vom Betreten der Geschäftshäuser abzuhalten und sie einzuschüchtern. Vor dem Hause Emil Franks, des anständigsten Juden, den man sich denken kann - Vorsteher der jüdischen Gemeinde —, stellten sie ausgerechnet das Schild ,,Blutsauger“ auf. Sämtliche jüdischen Geschäfte hatte man vorher dadurch gezeichnet, daß man ein großes schwarzes viereckiges Plakat mit einem großen gelben Punkt ans Haus oder an die Fenster geklebt hatte..."

Anzeige Wendel Frank 400Emil Frank konnte sein Geschäft nicht mehr halten. Nach persönlichen Schicksalsschlägen, seine Frau starb bereits 1926, seine Mutter 1936 und dem ständigen Druck der Nazis gab er 1936 sein Textilkaufhaus auf. Vorübergehend ließ er sich mit seiner Schwester in Koblenz nieder und floh 1941 in die USA (siehe dazu das Kapitel "Flucht aus Deutschland")

Zu der Aufgabe seines Betriebes schrieb Emil Frank 1948 an Matthias Mehs:

"...Ich hätte (mein Haus) nie verkauft, wenn die Gestapo, Regierung in Trier und Landratsamt Wittlich mich nicht gezwungen hätten, es innerhalb 14 Tagen nur an Wendel (Konrad) für einen lächerlichen Preis zu verkaufen, obwohl mir von anderer Seite 25000 RM mehr geboten war .. Wenn Wendel nicht immer hinter der Partei und kein Nazi gewesen wäre, dann hätte er das Haus niemals bekommen. Man hat mir mit Konzentrationslager gedroht und mich mürbe gemacht, bis ich,
um mein Leben zu retten, darin einwilligen mußte.
Das Geld von dem Haus mußte auf ein Sperrkonto hinterlegt werden und habe ich niemals etwas davon zu sehen bekommen. Es ist der reinste Diebstahl und gäbe es keine Gerechtigkeit mehr, wenn dies nicht etwa gutgemacht würde..."

 

 


 Hans Wax

Qu.: Maria Wein-Mehs, Juden in Wittlich, 1808 - 1942, Wittlich 1996;

Angelika Schleindl, "Jüdisches Leben in Wittlich", Ausstellungkatalog, 1993

 

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