Grenzenlos gedenken

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Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung aus Anlass des Jahrestags der Deportation Wittlicher Juden am 16.10.1941 erinnerten Bürgermeister Rodenkirch und Rene Richtscheid, der Leiter des Emil-Frank-Instituts in ihren Reden an die systematische Ausgrenzung von jüdischen Mitbürgern, die schließlich zu ihrer Deportation führte.
Am 16.10.1941 fuhr ein Deportationszug von Luxemburg nach Litzmannstadt. 11 Wittlicher Juden wurden aus den von ihnen zuletzt bewohnten "Deportationshäusern" zum "Abtransport" zum Bahnhof gebracht und dann von Trier aus zusammen mit vielen anderen aus Luxemburg und der Region Trier "in den Osten" geschickt.
Zahlreiche Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Wittlicher Schulen beteiligten sich am Gedenkgang von den Deportationshäusern zum Bahnhof. Dabei trugen 11 Schülerinnen und Schüler in Erinnerung an die 11 Deportierten Koffer zum Bahnhof, wo sie ihre Schicksale vortrugen. Die Koffer zeigten wie wenig die Menschen mitnehmen durften.

Werner Bühler

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Grenzenlos Weg zum Bahnhof1 wb 1200

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Hintergrund

Kategorie: Grenzenlos gedenken

Der Deportations-Transport von Luxemburg über Trier nach Litzmannstadt vom 16./17. Oktober 1941


Am 17. Oktober 1941 verließ gegen ein Uhr nachts ein Zug den Hauptbahnhof in Luxemburg. Darin waren 323 jüdische Menschen. Die Geheime Staatspolizei hatte verfügt, dass sie sich am Vortag am Hauptbahnhof im Gebäude der Zollverwaltung einzufinden hätten. Knapp die
Hälfte der betroffenen Juden aus Luxemburg kam aus der Hauptstadt: die aus weiter entfernt gelegenen Orten wurden dorthin transportiert. Auch 21 Juden aus dem Sammellager Cinqfontaines/Fünfbrunnen waren in diesem Zug. Nach Wien und Prag war dies der dritte Deportations-Transport Nazi-Deutschlands ins Ghetto Litzmannstadt im besetzten polnischen Lodz. Er hatte die Bezeichnung "Da 3" und war der erste aus demWesten.

Auf seinem Weg nach Litzmannstadt hielt der Zug u. a. inTrier. Hier kamen in der Nacht weitere 189 jüdische Menschen hinzu. Die Gestapo hatte angeordnet, dass diese sich am 16. Oktober um 14:00 Uhr im Bischof Korum-Haus in Trier einzufinden hätten. Die meisten der betroffenen deutschen Juden wohnten in Trier-Stadt und Umgebung, einer kam aus der Nähe von Welschbillig, 11 aus der Stadt Wittlich. 60 von ihnen lebten in Hunsrück- und Moseldörfern des Kreises Bernkastel. Letztere brachte die Gestapo mit der Moselbahn nach Trier. Dieser Zug verließ Bernkastel am 16. Oktober um 11:16 und erreichte Trier um 13:17 Uhr. Die 27 Juden aus den Hunsrückgemeinden wurden mit dem Omnibus nach Bernkastel gebracht, ihr Gepäck mit einem Lastkraftwagen. Eine vierköpfige Familie aus Veldenz musste zur Bahnstation Mülheim kommen - wie die anderen zu ihrer jeweils nächstgelegenen Bahnstation.

Sowohl die in Luxemburg lebenden Juden als auch die ausdem Großraum Trier durften lediglich einen Koffer pro Person (max. 50 kg), Bettzeug und zwei Decken, Bekleidung nur soweit sie am Körper getragen werden konnte, Bargeld pro Person bis 100 Reichsmark und Verpflegung für vier bis fünf Tage mitnehmen. Schmuckgegenstände waren bis auf den Ehering verboten. Lebensmittelkarten mussten vor der Abfahrt abgegeben werden. Die Wohnungen waren zu verschließen und die Schlüssel bei der Sicherheitspolizei (SiPo) abzugeben. Ein Nichterscheinen wurde mitschärfsten staatspolizeilichen Mitteln geahndet.

Am 18. Oktober 1941 erreichte der Zug um 14:30 Uhr Radegast. die Bahnstation in Lódz. Nur 15 der 512 Menschen überlebten das Ghetto und die Vernichtungslager.


Text: Flyer des Projektes

Fotos: Werner Bühler

“Grenzenlos gedenken" ist ein gemeinsames Projekt von der AG "Grenzenlos gedenken". In ihr haben mitgearbeitet:

Henri Juda (Comité Auschwitz Luxemburg),
Peter Szemere (Jüdische Gemeinde Trier),
René Richtscheid (Emil-Frank-Institut Wittlich),
Wolfgang Schmitt-Kölzer (Wittlich),
Matthias Schmitz (Dekanat Schweich- Welschbillig),
Ralf Kotschka (Trier),
Christiane Brinkert (Friedrich-Spee-RealschulePlus Neumagen),
Gemeinde Aerenzdall,
Les amis de l'ancienne synagogue de Mondorf,
Lycée Michel Lucius,
Armin Huber, Jens Kornmüller, Katharina Dölle-Klüsche (Max-Planck-Gymnasium Trier),
Manuela Schnitzius (Stefan-Andres-Gymnasium Schweich),
Ville d'Ettetbruck,
Cusanus-Gymnasium Wittlich,
Peter-Wust-Gymnasium, Wittlich,
Berufsbildeende Schulen, Wittlich,
Kurfürst-Balduin-RealschulePlus, Wittlich,
Klara-Viebig-RealschulePlus, Wittlich

Das Projekt wurde von der deutschen Botschaft in Luxemburg unterstützt

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